KinderKulturMonat 2019

„Wollt ihr loslegen?“, fragt Künstler und Kursleiter Thomas Ecke. Das lassen sich die 15 Teilnehmenden des Herbstferienprogramms 2019 „GRAFFITI – Sprühen, Tapen, Stenciln“ nicht zweimal sagen. Zum Thema „Wave“ erobern sie begeistert die Sprühwand im Hinterhof der Neuköllner Neckarstraße. Noah (12) und Elisa (11) haben ihren Overall angezogen und die Schutzmaske angelegt. Sie sind schon zum zweiten Mal beim Ferienprogramm des KinderKulturMonats dabei. Noah: „Das Malen finde ich anstrengend, aber dafür ist das Sprayen cool.“ Elissa (11) geht es ähnlich: „Eigentlich kann ich gar nicht zeichnen. Aber beim Sprühen fühle ich mich ganz frei und kann meine Kreativität rauslassen. Ich freue mich über jedes Graffiti in der Stadt – und bin richtig erleichtert, dass es so viel gibt. Dann bin ich also nicht die einzige, die Streetart so mag.“

Die TeilnehmerInnen bei ihren ersten Sprayversuchen.

In der ersten Kurswoche lernten die Kinder ihr Handwerk: Jeder durfte mit Hilfe einer zuvor angefertigten Skizze die ersten Sprayversuche starten und eine 70 x 90 cm große Holzplatte frei gestalten. Thomas Ecke: „Graffiti ist Codierung, zum Beispiel durch Buchstaben. Die Kommunikation läuft über Tags und Characters. Alle Kinder haben sich über Buchstaben ausgedrückt und ihre eigene Sprache entwickelt. Das eigene Logo stärkt ihr Selbstwertgefühl.“ An der Projektsprühwand im Neckarhof steht zum Abschluss das gute Miteinander im Mittelpunkt: Jedes Kind findet einen eigenen Platz zum Sprühen, die Farben werden geteilt, man achtet auf die anderen und respektiert deren Arbeit. Kardelen (10) freut sich auf die Präsentation ihrer Arbeit bei der großen Abschlussveranstaltung aller Ferienkurse: Als Auszeichnung wird allen Teilnehmenden das KinderKultur-Diplom verliehen. Und Thomas Ecke erklärt den Kindern: „Nächstes Jahr wird der ganze Hof dann renoviert und neu gestrichen.“ Die Kinder protestieren. Thomas Ecke: „Aber Ihr wisst doch, das ist ganz normal: Straßen-Graffiti verschwindet auch wieder.“

Über das Projekt

Die Angebote des KinderKulturMonats erreichten im Jahr 2019 zum achten Mal Kinder und Familien aus allen gesellschaftlichen Gruppen und legten einen Fokus auf kulturferne Familien und solche mit Fluchthintergrund. Auch das neben dem deutschen auch auf englisch-arabisch erscheinende Programmheft war auf diese Zielgruppe zugeschnitten. Der KinderKulturMonat baute Hürden ab und ermöglichte Teilhabe. Im Ergebnis war der KinderKulturMonat im Jahr 2019 größer denn je: „Es gibt kaum eine kreative Schiene, in der sich die Kids nicht versuchen konnten“ schrieb die Berliner Woche am 28. September 2019 und empfahl den kostenlosen Workshop des URBAN NATION Museum.

Der Graffiti-Workshop fand im Rahmen der KinderKultur-Parcours statt, ein zweiwöchiges Angebot für Kinder von neun bis zwölf Jahren. Neben Graffiti gab es Programme zu „ARCHITEKTUR – Deine Stadt!“, „VIDEO – Wenn die Klappe fällt“, „MUSIK – Beats für die Bühne!“ und „PERFORMANCE – Dances for Future“. Die Kinder lernten nicht nur, wie Kunst und Kultur entstehen, sondern das, was sie sehen und erleben, auch selbst auszudrücken. Beim Graffiti-Kurs wurden sie von zwei Profis angeleitet und einem pädagogischen Betreuer unterstützt. Ergebnis der KinderKultur-Parcours und aller weiteren Angebote des KinderKulturMonats waren wie jedes Jahr vielfältige Erfahrungen des sozialen Miteinanders, der teilweise erstmalige Zugang zu Kultur und Kulturorten und das Erleben der eigenen Kreativität. Die Kulturorte wurden von den Kindern und ihren Familien als offene Veranstaltungsorte erlebt. Das führte zu einem Interesse an und zu einer Wahrnehmung von kulturellen Angeboten.