KinderKulturMonat 2018

„Kultur macht stark. Fühlt Ihr Euch stärker?“ „Jaaaaaaaa!“

Noah (11) strahlt: „Die Ferien waren erst so langweilig. Jetzt ist alles ein bisschen anders: Ich habe neue Leute und neue Freunde kennengelernt und fühle mich gut.“ Leonie (10) ergänzt: „Mein Fotografie-Workshop war einfach unheimlich toll. Und alle haben sich so gut verstanden.“ Jedes Jahr erleben rund 4.000 kleine und große Besucher die bunten Veranstaltungen des KinderKulturMonats. Was kann Kunst sein, wie wird sie gemacht und wie lassen sich Themen aus dem Alltag darin wiederfinden? Was passiert beim Erleben von Kunst und welche Ideen entstehen?

Der KinderKulturMonat lässt seit 2012 Berliner Kinder auf spannende Entdeckungstouren gehen: Was gibt es für Orte in der Stadt, in denen Kunst gezeigt oder gemacht wird – und: Kann ich das auch? Zum Abschluss des Herbstferienprogramms „talentCAMPus Neukölln“ des KinderKulturMonats trafen sich am 26. Oktober viele Kinder, Eltern, Kulturvermittler, Politiker, Förderer und Organisatoren zu einer fröhlichen Abschlussveranstaltung im Kinder- und Jugendzentrum MANEGE in der Neuköllner Rütlistraße.

Die Geschwister Robijin (12) und Raman (10) sind schon im zweiten Jahr beim KinderKulturMonat dabei. Ihr Vater Fayad lässt sich per Mail über die Angebote informieren. Seine Kinder haben sich gemeinsam für den Workshop „Graffiti – eine Welt voller Zeichen“ entschieden. Robijin ist vollauf begeistert: „Wir haben so viel gelernt: Eigene Symbole hergestellt, am Mauerpark gesprüht und fotografiert. Ich wusste nicht, dass das so toll ist. Ich habe nämlich noch nie gesprüht, da war ich sehr aufgeregt.“ Beide Schüler haben mit den anderen Kindern an ausgewählten Orten in Berlin Zeichen hinterlassen. Raman erklärt: „Mit Graffiti kann man wirklich schöne Muster machen – und an ein paar Stellen in Berlin ist das nicht verboten. Man darf das wirklich.“

„Klinker Klunker Kunter Bunter“: Stiftungsprojekt URBAN NATION ist wieder mit dabei

Im Rahmen des KinderKulturMonats 2018 luden insgesamt 74 Kulturorte zu vielfältigen kostenfreien Workshops, Vorstellungen und Führungen für Kinder ein. Die 147 Veranstaltungen waren begehrter als je zuvor – und viele schon nach wenigen Stunden ausgebucht. Projektleiterin Chris Benedikt: „Wir haben eine gute Mischung aus Neuentdeckern und Familien, die seit drei oder mehr Jahren kommen. Starke Stadtteile sind traditionell Neukölln, Kreuzberg und Schöneberg, doch wir streuen unsere Angebote breit in allen Bezirken.“ Auch außerhalb des Berliner Zentrums war im Oktober 2018 einiges los – wie etwa beim Labor M im Schloss Biesdorf in Marzahn-Hellersdorf oder in der Galerie Alte Schule Adlershof. Das Programm, das an allen Oktoberwochenenden und während der Berliner Herbstferien stattfindet, wird jedes Jahr von vielen Kulturorten einzig für den KinderKulturMonat entwickelt.

Vor der Werkstatt von URBAN NATION wurden T-Shirts individuell gestaltet.

Auch die Werkstatt unseres Stiftungsprojekts URBAN NATION in der Schöneberger Bülowstraße war wieder Veranstaltungsort: Der begehrte Street-Art-Workshop am 20. Oktober zog sogar mehr als die angemeldeten 20 kleinen Gäste an, denn einige der 8- bis 12-jährigen Teilnehmer hatten noch ihre Eltern und Geschwister mitgebracht. Gemeinsam mit den Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittlern wurde begeistert gesprüht, geklebt, bedruckt und gekleckst. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen: In zwei Stunden entstanden liebevoll gestaltete T-Shirts und Jutebeutel. Im Laufe des Workshops gingen die Kinder immer mutiger mit den Farben und Techniken um. Sogar die Werkstattfenster und -säulen wurden mit Tape Art verschönert – und diese Kunst ist dauerhaft sichtbar, wenn die Jalousien geöffnet sind. Auch bei dieser Veranstaltung hieß es also wieder: „Kinder hinterlassen Zeichen und zeigen, wer sie sind.“ Ein schönes Schlussbild beim Workshop: Am Ende verließen viele Teilnehmer die Werkstatt nicht nur mit bunten Fingern, sondern machten „den Abflug“ mit ausgestreckten Armen. Über denen hingen nämlich die T-Shirts und Jutebeutel zum Nachtrocknen.

KinderKinderMonat organisiert Gruppenausflüge für geflüchtete Kinder

Ein Schwerpunkt 2018 war die Einbindung von geflüchteten Kindern. Englisch- und arabischsprachige Flyer gaben wieder Einblicke in das Gesamtprogramm und die nicht-sprachbasierten Angebote. Die Ausflüge mit 4- bis 12-jährigen Kindern aus Flüchtlingsunterkünften wurden gut vorbereitet. Programmkoordinatorin Lea Merk: „Wir bieten in den Unterkünften Schnupperkurse an. Das sind zum Beispiel Kunst- und Musikworkshops, die ein bis zwei Stunden dauern und Lust auf mehr machen. So lernen die Eltern die Kulturvermittlerinnen und Kunstvermittler und ehrenamtlichen Begleitungen persönlich kennen und können Vertrauen aufbauen. Denn wenn ihre Kinder am inderKulturMonat teilnehmen, dann sind sie lange unterwegs, wenn die Unterkunft am Stadtrand liegt. Das sind richtige Tagesausflüge.“

Die meisten Kinder können sich schon nach wenigen Monaten in Deutschland gut verständigen. Lea Merk: „Viele Begleiter sprechen auch Arabisch und können Kinder, die noch gar kein Deutsch sprechen, einbeziehen. Das klappt erstaunlich gut. Die Kinder bauen überhaupt schnell eine Beziehung auf und schließen Kontakt. Am Ende des Workshops fragen sie: Wann sehen wir uns wieder?“ Eine gute Gelegenheit steht fest: Der nächste KinderKulturMonat kommt ganz bestimmt – im Oktober 2019.