Community Walls von Jim Avignon

Im Rahmen des Programms Stadtraum!Plus entstand in Kooperation mit der Stiftung Berliner Leben und der Gewobag im Berliner Stadtteil Falkenhagener Feld zwei ortsspezifische Wandbilder des Künstlers Jim Avignon. Realisiert wurden die Arbeiten in partizipativer Zusammenarbeit mit Kinder der Familienwohung im Kiez sowie Jugendlichen des Outreach-Clubs. Unter dem Leitmotiv „Gute Nachbarschaft“ verbindet das Projekt künstlerische Produktion mit sozialräumlichem Engagement und versteht den öffentlichen Raum als Ort gemeinsamer Aushandlung, Sichtbarkeit und Teilhabe. Der Einbezug der Kinder und Jugendlichen unterstreicht dabei den intergenerativen wie auch bildungspolitischen Anspruch des Vorhabens: Die Wandarbeiten werden nicht nur als Kunst, sondern ebenso als sozialer Prozess lesbar, in dem ästhetische Praxis, Mitwirkung und lokale Identifikation ineinandergreifen.

Die Community Walls greiften zentrale Merkmale von Jim Avignons Bildsprache auf: eine flächige, comic- und popkulturell geprägte Formensprache, leuchtende Farbigkeit, reduzierte Figuren und eine erzählerisch verdichtete Komposition. Auf der Wand Im Spektefeld entfaltet sich über die gesamte Wandfläche ein vielgestaltiges Panorama aus menschlichen und hybriden Figuren, Tieren, Alltagsobjekten und urbanen Versatzstücken, das Szenen des Zusammenlebens, der Bewegung und der Begegnung miteinander verschränkt. Die Bildwelt wirkt auf den ersten Blick spielerisch und leicht, entwickelt jedoch bei näherer Betrachtung eine komplexe soziale Choreografie: Fortbewegung, Kommunikation, Nachbarschaft und Öffentlichkeit erscheinen als miteinander verflochtene Elemente eines städtischen Alltags.

Das Wandbild im Kraepelinweg zeigt eine rhythmisch gegliederte Bildkomposition aus elf menschlichen Figuren, Tieren und Hybridwesen, die in drei Reihen über die Wandfläche verteilt sind. Verbunden werden sie durch einen roten Schal, der sich als prägnantes visuelles Leitmotiv durch die gesamte Darstellung zieht. Er fungiert nicht nur als formales Element, das die einzelnen Figuren kompositorisch miteinander verschränkt, sondern zugleich als symbolisches Band, das Nähe, Zusammenhalt und wechselseitige Bezogenheit im nachbarschaftlichen Gefüge sichtbar macht. In ihrer formalen Gestaltung knüpft die Arbeit an Jim Avignons charakteristische Bildsprache an: klare Konturen, leuchtende Farbflächen, eine reduzierte, comic- und popkulturell geprägte Figuration sowie eine bewusst niedrigschwellige visuelle Lesbarkeit.

So werden beide Community Walls zu identitätsstiftenden Orten im Quartier, als Ausdruck kollektiver Teilhabe und als sichtbares Zeichen dafür, dass Nachbarschaft im öffentlichen Raum nicht nur dargestellt, sondern aktiv mitgestaltet werden kann.

Fotos: Felix Seyfert