Teilnehmer vom durch Stiftung Berliner Leben gesponserten Lions Youth Camp

Ab in den Ring!

16 junge Botschafter für internationale Verständigung beim Probetraining

Eben noch hat Izzet Mafratoglu, Cheftrainer des Isigym Boxsport Berlin e. V., die Dopingkontrollen für seine Schützlinge bei den Deutschen Boxmeisterschaften organisiert. Nun ist er vom Kuppelsaal im Olympiapark in den Boxclub in der Potsdamer Straße geeilt, um internationale Gäste für ein Probetraining zu treffen. Die 16 jungen Erwachsenen aus 12 Ländern nehmen am dreiwöchigen Lions Youth Camp in Berlin teil.

„Die jungen Leuten sollen Gemeinnützigkeit kennenlernen. Deshalb stellen wir ihnen vorbildliche soziale Projekte vor.

Lucius R. vom Lions Club

Christoph K. vom Lions Club: „Unsere Austauschprogramme schicken weltweit Kinder und Jugendliche in andere Länder. So bauen wir Brücken zwischen den Kulturen und fördern gegenseitigen Respekt und Verständnis“. Auf dem Programm der Gruppe steht am 31. Juli 2019 eine Trainingseinheit im Schöneberger Boxclub. Diese Auswahl ist bewusst getroffen. Lucius R. vom Lions Club: „Die jungen Leuten sollen Gemeinnützigkeit kennenlernen. Deshalb stellen wir ihnen vorbildliche soziale Projekte vor. Im Boxclub gelingt die Integration von Kindern und Jugendlichen aus dem Kiez – und auch von Geflüchteten.“

Malu (21) kommt aus Grönland und ist eine der 200 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in diesem Jahr Deutschland besuchen. Beim Training fällt sie Izzet Mafratoglu sofort positiv auf: „Sie hat sehr gute Reaktionen und ist immer in Bewegung, die Bewegungsabläufe stimmen. In drei Monaten kann ich aus ihr ´was machen.“ Malu ist auch zu Hause sportlich aktiv: Sie hat als Taekwondo-Kämpferin sogar schon Pokale gewonnen. Über das Lob des Trainers freut sie sich: „Ich boxe zum ersten Mal und finde das Training ganz schön anstrengend. Aber ich mag Herausforderungen!“

Das Boxtraining ist an diesem schwülen Sommertag eine schweißtreibende Angelegenheit. „Arme kreisen beim Laufen“ und „Schattenboxen, ganz locker rechts – links“ heißt es beim Aufwärmen. Pilar (17) aus Spanien kapituliert zwischendurch. „Ich bin leider keine Sportskanone. Der Grafitti-Workshop heute Vormittag war mehr nach meinem Geschmack. Aber dieser Ort hier und die Geschichte, die dahintersteckt, sind toll.“ In seiner Begrüßung hatte Izzet Mafratoglu die inzwischen 15-jährige Entwicklung des Boxclubs vom Kellerstandort zum zweigeschossigen Olympiastützpunkt skizziert. Izzet Mafratoglu: „Das Lions Youth Camp und unser Boxclub haben viel gemeinsam: Wir verbinden Menschen und bringen Nationalitäten und Kulturen näher zusammen.“

Jetzt geht es zur Sache: 16 Paar Boxhandschuhe liegen bereit

„Mit welcher Hand schreibst du? Dann stehst du falsch!“: Izzet Mafratoglu und Co-Trainer Faruk T. helfen den jungen Gästen bei der Aufstellung für einen festen Stand. Mit Boxhandschuhen geht es nun im Training um Koordination und Schnelligkeit. Luigi (18) holt kurz Luft. Sein Bild von Berlin hat sich in letzten beiden Wochen komplett verändert: „Ich war schon vor ein paar Jahren mit meinen Eltern hier und fand Berlin einfach nur hässlich. Jetzt sehe ich die Stadt und ihre Menschen mit ganz anderen Augen. Mir gefallen die Atmosphäre, die vielen unterschiedlichen Nachbarschaften und Subkulturen.“ Als Italiener hat Luigi bei Izzet Mafratoglu gute Karten: Der Boxtrainer ist erst vor ein paar Tagen mit vielen guten Erinnerungen von einem Länderkampf in Venedig zurückgekehrt. Luigi wird von ihm für einige persönliche Lektionen in den Boxring gebeten. Kent (18) aus China müht sich währenddessen am Sandsack: „Der Rhythmus muss stimmen. Gar nicht so einfach. Zum Glück spiele ich zu Hause Basketball. Sonst würde ich das Training hier gar nicht schaffen. Aber es macht Spaß! Überhaupt bringt mir der ganze Austausch viel. Es ist sehr spannend, sich kennen und verstehen zu lernen.“

Im Boxclub lassen sich die jungen Gäste auf ein sportliches Abenteuer ein und schlagen sich erstaunlich gut bei ihrer Trainingseinheit, die immerhin rund 100 Minuten dauert. Doch Lucius R., der wie alle Mitglieder des Lions Club ehrenamtlich tätig ist, hat auch schon als Gastvater einen Vorgeschmack auf die Kondition der jungen Leute bekommen: „Diego aus Mexiko war bei uns in Schöneberg untergebracht. Irgendwann sagte er, ich gehe für eine Stunde laufen – und wir dachten, er würde durch die Nachbarschaft joggen. Aber er schaffte es einmal zum Brandenburger Tor und zurück. Wir waren sprachlos.“