teilvomganzen

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Wer im Schöneberger Norden lebt, lebt in Nachbarschaft, Tag für Tag, oft seit Generationen. Diese Nachbarschaft war und ist divers, multikulturell, multinational, multireligiös und sie ist immer da. Ob wir wollen oder nicht, sie umgibt unseren Alltag und beeinflusst in individuell unterschiedlicher Intensität unsere Verhaltensweisen und Standpunkte, Bedürfnisse, Sehnsüchte, gar Ideale. Das Kunstprojekt „teilvomganzen“ will auf dieses wenig bedachte, doch alltägliche Miteinander hinweisen: künstlerisch, spielerisch, etwas multimedial und zusammen mit Nachbarn – auch um eine mal kritische, mal amüsierte Selbstbetrachtung des Zusammenlebens anzuregen. Die Ausgangsbasis für die handgearbeiteten Würfelsäulen ist die Geschichte und das Wirken des Nachbarschafts- und Familienzentrums Kiezoase. Um diese gelebte Stadtteilgeschichte dreht sich die Frage: „Was ist eigentlich Nachbarschaft und wie funktioniert sie? Kann ich ein Teil vom Ganzen sein oder bin ich es schon?“ Die Exponate werden sechs Wochen lang in der Nachbarschaft um die Kiezoase stehen. 

Projekteinblick

Vor 70 Jahren, im Jahre 1951 wurde das Nachbarschaftsheim Kiezoase im Schöneberger Norden gegründet. „Die Arbeit mit Gruppen und Einzelnen sollte helfen, dass Menschen aller Altersstufen einer gleichen Nachbarschaft ohne Ansehen ihrer sozialen Herkunft, ihrer politischen oder religiösen Bindung einander begegnen und zueinander finden.“ Um diesen Auftrag zu erfüllen, entwickelte die Kiezoase immer wieder aufs Neue zeitgerechte Angebote für die Nachbarschaft: Sollten diese anfangs Nachkriegstraumata mildern helfen (eine Lesestube, Spiel- und Bastelgruppen), wurden später Eigeninitiativen angeschoben (Selbsthilfegruppen, sozialkulturelle Angebote), dabei so manche Lücke geschlossen (Freizeit- und Bildungsangebote, die „Bücheroase“) und stets die nachbarschaftlichen Kontakte und deren Vernetzung gefördert (Familienspielplatz, Kiezcafé, Kiezfeste, Spielstraße etc.). Auf drei Säulen aus drehbaren Würfeln hat der Berliner Künstler Hans Ferenz zahlreiche Fotos und Texte aus den zurückliegenden 70 Jahre zu einem beweglichen Mosaik angeordnet. Die Stiftung Berliner Leben stellte dem Künstler ihre Werkstatträume in der Bülowstrasse zur Erstellung und Lagerung der Würfel zur Verfügung. Bei der Jubiläumsfeier am 07. September wurde die Ausstellung gemeinsam mit der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler feierlich eröffnet. Noch bis Ende Oktober 2021 laden die drehbaren Würfel dazu ein, die Geschichte und auch Entwicklung des Schöneberger Nordens zu vergegenwärtigen. Sie zeigen: die Kiezoase war, ist und bleibt ein Ort, der Menschen jeden Alters und jeder Herkunft verbindet und der die Entfaltung der Nachbarschaftsbeziehung stärkt und fördert.