Feldmessung

zurück zu allen Aktionen von Stadtraum!Plus

Plus Ou Moins Cirque Productions arbeitet seit 20217 an dem künstlerischen Rechercheprojekt ,,UNMEASUREMENT’’, das zum Thema des Messens forscht und es mit Artistik, Musik und Handwerk zusammenbringt. In einem ersten Workshop werden zunächst mit Methoden der Technik „Feldmessung“ konkrete Räume wie der Schulhof vermessen. Anschließend stellen die Kinder durch ihren eigenen Körper Bezug zu physikalischen Grundkräften her und setzen sich mit Materialien und ihren Eigenschaften auseinander. Dabei sollen Kräfte der Natur durch interdisziplinäres Lernen mit dem eigenen Körper und seinen Grenzen reflektiert werden.

Projekteinblick

An den Projekttagen des Projekts „Feldmessung” wurde die Turnhalle der Werbellinsee-Grundschule auf ganz besondere Weise genutzt. Statt wie gewöhnlich zu laufen, Ball zu spielen oder zu toben, erlebten die Kinder an diesem Novembernachmittag unterschiedliche Möglichkeiten einen Raum, dessen Länge, Höhe und Breite zu erfassen. Angeleitet von der Künstlerin Claire Terrien des Feldtheaters stellten sich die TeilnehmerInnen Fragen, die ihren eigenen Körper in Bezug zu dem umliegenden Raum setzten. Herauszufinden galt beispielsweise, wie oft die eigene Körperlänge wohl in die Turnhalle passen würde. So sollte der Raum gemessen werden ohne Gebrauch von herkömmlichen Messmethoden zu machen. Überlegt wurde, wie viele Kinder wohl so lang wären wie ein Elefant und wie oft dieser wiederum in die Turnhalle passen würde. Diese Untersuchungen eröffneten den Messenden neue Perspektiven auf Größenverhältnisse und das Schätzen von Entfernung.
Eine ähnliche Aufgabe war das vorsichtige Platzieren und Bewegen einer in einem Brett eingesetzten Messlibelle. Sie ist ein Werkzeug, das wie eine Wasserwaage funktioniert, jedoch rund ist und bei Bewegung also kompassartig in die jeweilige Richtung ausschlägt. Die Libelle wurde auf den Köpfen der Kinder durch den Raum getragen, sie balancierten über Bänke und sogar das Schaukeln mit dem Brett auf dem Kopf bewältigten einige. An den Ringen und auf der Schaukel konnte sich die Gruppe zwischendurch austoben und ihre Turnfähigkeiten weiterentwickeln.
Auch die nächste Übung sollte die Kinder herausfordern. Claire Terrient befestigte einen Karabiner an der Wand. Sie zog ein Seil durch und band sich das eine Ende um den Körper und forderte die Kinder heraus, sie am anderen Ende hochzuziehen. Die SchülerInnen tüftelten an den besten Methoden, sich so effektiv wie möglich zu ziehen. So entstand die Idee Rollen einzusetzen, um den Widerstand des eigenen Gewichts gegen den Boden zu reduzieren.
Durch die einmalige Mischung aus sportlicher Betätigung, wissenschaftlicher Ergründung und künstlerischer Methoden nehmen die SchülerInnen eine neugewonnene Perspektive für das Verhältnis von Körper und Raum mit, die in vielen Lebensbereichen zu Einsatz kommen kann.

Alle Fotos: Karolina Burdyk für Stiftung Berliner Leben