Müll als Rohstoff?

zurück zu allen Aktionen von Stadtraum!Plus

Viele Jahre arbeitet die Künstlerin Sofia Camargo schon in Schöneberg und ist mit vielen Institutionen und deren Kindern vernetzt. Nach dem Filmprojekt „Gemeinsam gegen Straßengewalt“ wendet sich Camargo in ihrem Filmprojekt nun dem Thema Müll und Recycling zu. Die Sensibilität und das Verständnis für das Thema Müllverwendung und Nachhaltigkeit soll erhöht und die Kreativität im Umgang mit scheinbar wertlosen Dingen geweckt werden. Dazu werden Mitarbeiter der BSR filmisch interviewt, um die Wege des selbst produzierten Mülls besser zu verstehen.  In einer Nachbarschaftsaktion sammelt die Künstlerin dann mit Kindern und Jugendlichen liegengebliebenen Müll ein und entsorgt ihn ordnungsgemäß und getrennt. Aus einigen Teilen werden künstlerische Objekte gebastelt. Kunst und Film als Ergebnisse werden im Atelier Klasen gezeigt.

Alle Fotos: Kien Camargo Klasen

Projekteinblick

Samstag um 11 Uhr Treffpunkt Katzlerstraße zum Müll Sammeln. Trotz des auf den ersten Blick nicht sehr attraktiven Themas und der Kälte an diesem Januarmorgen finden sich sechs Kinder zwischen vier und 13 Jahren vor dem Atelier der Künstlerin Sofia Camargo ein. Camargo kennt die meisten Kinder seit vielen Jahren, sie hat schon oft mit ihnen Projekte gemacht, so auch das Filmprojekt zum Thema Gewalt gegen Kinder. Nach einer Zeit des sich Sortierens geht es dann los, bestückt mit einer Sackkarre ausgestattet mit mehreren Müllsäcken und zwei Greifzangen. Schon direkt vor der Tür des Ateliers wird jede Menge Müll entdeckt, für die Kinder fühlt es sich fast wie eine Schnitzeljagd an. Jedes Stück Müll wird begutachtet und gemeinsam wird entschieden, wo der Müll hinkommt: Glas, Papier, gelbe Tonne oder Restmüll. Schon nach wenigen Metern auf dem Bürgersteig sind die Müllsäcke gut gefüllt. Auf dem Spielplatz lenken selbst die Klettergerüste nicht von der eigentlichen Aufgabe ab, wer den ausgefallensten Müll findet: Matratzen und Berge von Malervlies sind zu groß zum Mitnehmen, aber selbst auf dem Spielplatz finden sich neben Kippen und Scherben Plastiktüten und Handyhüllen. Mehr und mehr Kinder kommen dazu, so dass die Gruppe am Ende mit zwölf Kindern zwischen zwei und 13 Jahren doppelt so groß ist. Zurückgekehrt sind vor der Tür des Ateliers die angelegten Weihnachtsbäume noch einladend zum Spielen – da müssen dann hinterher die trockenen Nadeln auch selbst wieder weggefegt werden. Als Abschluss wird dann der Müll in den hauseigenen Mülltonnen getrennt entsorgt und endlich gibt es Popcorn und Kinderpunsch.

Die Kinder haben an diesem Tag viel gelernt und unterhalten sich noch lange untereinander über ihre Funde und darüber, was in welche Tonne gehört. Als nächstes stehen noch Interviews mit Müllprofis von der BSR an und aus ausgesuchtem Müll werden Plastiken gebastelt. So schließt sich der Kreis: Müll gehört nicht auf die Straße sondern sorgfältig entsorgt – und viele Dinge können noch genutzt werden. Müll ist nicht immer wertlos, sondern kann weiterverwertet werden und bringt manchmal richtig Spaß. Der Film, der am Ende entsteht, vermittelt dies auf anschauliche Weise und klärt wiederum andere Kinder auf.

Projekteinblick 2

Im Rahmen der Erstellung des Aufklärungsfilms über Müll, Recycling und Müllvermeidung stand im April ein Termin mit Sebastian Seibel an. Er ist Abfall- und Umweltberater bei der BSR und kam extra nach Schöneberg, um den Kindern Rede und Antwort zu stehen. Durch die eigene Müllsammelaktion im Januar und die daraus entstandenen Gespräche hatten die Kinder eine Menge Fragen, z.B.: Können wir durch Mülltrennung tatsächlich ein Beitrag für die Umwelt leisten? Falls „JA“, wodurch? Was passiert genau mit dem ganzen Plastikmüll in der gelben Tonne? Wie viel Prozent des Plastikmülls wird in der Tat in Berlin recycelt? Gab es während der Pandemie mehr oder weniger Plastikmüll? Die Antworten darauf werden in dem Film zu hören sein!

Am Schluss wurden Müllplastiken gebastelt. So faszinierend, was man alles aus Müll machen kann. Die Plastiken werden im Schaufenster des Ateliers von Filmemacherin Camargo ausgestellt. Der Film wird fertig geschnitten und dann in Schulen im Quartier gezeigt, um noch mehr Kinder und ihre Familien dazu zu bringen, sich über Müllermeidung und Recycling Gedanken zu machen und noch mehr kreative Ideen rund um den Müll zu entwickeln. 

Hierzu lohnt sich ein Blick in das Material der BSR im Netz und die hervorragenden kostenfreien Bildungsangebote:
https://trenntstadt-berlin.de/
https://www.bsr.de/kitas-und-schulen-20917.php